EBRU ZUBEHÖR – DIE WICHTIGSTEN MATERIALIEN FÜR DIE MARMORIERKUNST
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Materialien, die für die Ebru-Kunst verwendet werden: Ebru-Wanne, Ebru-Farben, Verdickungsmittel, Pinsel, Rindergalle, Carrageen, Ebru-Kämme, Ebru-Papiere, Nadeln, Terpentin usw.
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In den folgenden Abschnitten findest du Erklärungen zu allen wichtigen Ebru-Materialien – jeweils mit ihrer Funktion und Besonderheit. So bist du bestens vorbereitet, um selbst mit dieser faszinierenden Kunstform zu starten.
Was ist Ebru überhaupt?
Ebru ist eine traditionelle Kunstform aus der Türkei, bei der bunte Muster auf einer verdickten Wasseroberfläche entstehen. Diese einzigartigen Designs werden anschließend vorsichtig auf Papier übertragen. Um Ebru erfolgreich auszuführen, benötigt man spezielle Materialien, die jeweils eine zentrale Rolle im kreativen Prozess spielen. Kitre oder Carrageen sorgen für die richtige Konsistenz der Flüssigkeit. Natürliche Pigmentfarben werden mit besonderen Pinseln aufgetragen und mit Werkzeugen wie Nadeln oder Kämmen verziert. Mit gut vorbereiteten Materialien lassen sich farbenfrohe, detailreiche und individuelle Ebru-Bilder gestalten. Ebru ist nicht nur ein traditionelles Handwerk, sondern auch eine meditative, entspannende Kunstform, die Kreativität, Geduld und Konzentration fördert. Ideal für alle ab 15 Jahren, die sich künstlerisch ausdrücken möchten.
1. Kitre (Verdickungsmittel)
Kitre ist eines der wichtigsten Materialien in der Ebru-Kunst. Es handelt sich um ein natürliches Verdickungsmittel, das dem Wasser eine gelartige Konsistenz verleiht. Diese besondere Konsistenz ist notwendig, damit sich die Ebru-Farben auf der Wasseroberfläche gleichmäßig verteilen und nicht sofort untergehen. In der traditionellen türkischen Ebru-Kunst wird Kitre aus dem Saft der Astragalus-Pflanze gewonnen. Heute wird oft auch Carrageen als moderne Alternative verwendet, das aus Rotalgen besteht. Beide Substanzen erfüllen die gleiche Aufgabe: Sie stabilisieren die Oberfläche, auf der die Farben aufgetragen und geformt werden. Die Herstellung der Kitre-Flüssigkeit erfordert etwas Geduld, da das Pulver mehrere Stunden in Wasser quellen muss. Nach dem Filtern ist die Flüssigkeit gebrauchsfertig und bildet die Grundlage für alle weiteren Arbeitsschritte im Ebru-Prozess. Ohne ein gut vorbereitetes Verdickungsmittel ist ein sauberes und stabiles Muster kaum möglich. Daher ist Kitre für Anfänger und Profis gleichermaßen unverzichtbar.
2. Ebru-Farben (Pigmentfarben)
Ebru-Farben bestehen traditionell aus natürlichen Pigmenten, die aus Mineralien oder Erde gewonnen werden. Sie sind wasserunlöslich und müssen daher mit Rindergalle oder einem anderen Hilfsmittel vermischt werden, damit sie sich auf der verdickten Wasseroberfläche gut verteilen. Die Farben sind das Herzstück jeder Ebru-Arbeit, denn sie bringen die Muster zum Leben. Klassische Farben wie Indigo, Ocker, Rot, Schwarz oder Grün haben in der Ebru-Kunst eine lange Tradition, doch heute stehen Künstlern auch moderne Farbvarianten zur Verfügung. Die richtige Konsistenz der Farbe ist entscheidend: Ist sie zu dick, sinkt sie im Wasser ab; ist sie zu dünn, fließt sie unkontrolliert. Daher werden die Farben oft mit einem Mörser fein gemahlen, gesiebt und mit Galle sowie etwas Wasser verdünnt. Die fertigen Farben werden in Tropfflaschen oder Gläsern aufbewahrt und mit speziellen Pinseln auf das Wasser getropft. Mit jeder Farbschicht entsteht ein einzigartiges Zusammenspiel von Bewegung, Form und Farbe, das die Ebru-Kunst so besonders macht.
3. Rindergalle (Farbhilfsmittel)
Rindergalle ist ein unverzichtbares Hilfsmittel in der Ebru-Kunst. Sie sorgt dafür, dass sich die Pigmentfarben gleichmäßig auf der verdickten Wasseroberfläche verteilen, anstatt zu verklumpen oder unterzugehen. Ohne Galle würden die Farben nicht richtig „aufspringen“, das heißt, sie würden sich nicht kreisförmig ausbreiten, was für Ebru typisch ist. Rindergalle wirkt wie ein Emulgator und reduziert die Oberflächenspannung des Wassers. Dadurch kann jede Farbe sich harmonisch neben anderen ausdehnen, ohne ineinanderzulaufen. Die Galle wird den Farben in kleinen Mengen beigemischt, wobei jede Farbe individuell abgestimmt werden muss – manche benötigen mehr, andere weniger. Der Geruch kann anfangs gewöhnungsbedürftig sein, verflüchtigt sich aber schnell. Für vegan arbeitende Künstler gibt es mittlerweile pflanzliche Alternativen, die ähnliche Eigenschaften bieten. Die richtige Dosierung von Rindergalle ist ein entscheidender Faktor für saubere, kontrollierte und ausdrucksstarke Ebru-Muster.
4. Ebru-Wanne (Marmorierbehälter)
Die Ebru-Wanne ist das Gefäß, in dem die verdickte Flüssigkeit – meist mit Kitre oder Carrageen – eingefüllt wird. Auf dieser Oberfläche werden die Farben aufgetragen und die Muster gestaltet. Die Größe der Wanne bestimmt das Format des Endbildes. Gängig sind Wannen in A4- oder A3-Größe, doch fortgeschrittene Künstler verwenden auch größere oder speziell angefertigte Becken. Wichtig ist, dass die Wanne flach, stabil und aus einem Material besteht, das keine Reaktion mit den Farben oder dem Verdickungsmittel eingeht – häufig wird Aluminium, Edelstahl oder Kunststoff verwendet. Die Tiefe beträgt meist etwa 4–5 cm, was für die Musterbildung ideal ist. Eine saubere Wanne ist essenziell, da Rückstände von vorherigen Arbeiten das Ergebnis beeinflussen können. Vor jedem Arbeitsgang sollte sie gründlich gereinigt werden. Eine hochwertige Ebru-Wanne ist somit die Grundlage für erfolgreiche und gleichmäßige Marmorierarbeiten.
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5. Pinsel (Ebru-Pinsel)
Ebru-Pinsel sind speziell für die Arbeit mit verdicktem Wasser entwickelt worden. Traditionell bestehen sie aus Pferdehaar, das in einen Griff aus Rosenholz eingebunden ist. Diese Kombination sorgt für die richtige Flexibilität und Farbaufnahme. Für jede Farbe wird idealerweise ein eigener Pinsel verwendet, um eine Vermischung der Pigmente zu vermeiden. Die Pinsel werden verwendet, um die Farbe sanft auf die Wasseroberfläche zu sprenkeln – niemals zu streichen. Dabei entsteht der typische „Farbaufprall“, der die Grundlage für jedes Muster bildet. Die Borstenlänge und -dichte beeinflussen die Sprenkelgröße und die Farbverteilung. Moderne Alternativen aus synthetischem Material sind ebenfalls erhältlich, kommen jedoch oft nicht ganz an die traditionellen Eigenschaften heran. Die Pflege der Pinsel ist wichtig: Nach jedem Gebrauch sollten sie gründlich mit Wasser ausgewaschen und hängend getrocknet werden, um ihre Form und Elastizität zu erhalten.
6. Biz / Nadel (Formwerkzeug)
Ein „Biz“ – auch als Ebru-Nadel oder Zeichenstab bekannt – ist ein dünnes Metallstäbchen mit Griff, das verwendet wird, um die auf dem Wasser schwimmenden Farbtropfen in bestimmte Richtungen zu ziehen. Mit dem Biz entstehen charakteristische Muster wie das klassische „Gelgit“, „Taraklı“ oder filigrane Blütenformen. Das Werkzeug erlaubt präzise Bewegungen und ist daher unverzichtbar für detailreiche und kontrollierte Designs. Es gibt verschiedene Größen und Formen von Bizler: dünn für feine Linien, dicker für breite Züge. Viele Künstler besitzen eine Sammlung verschiedener Nadeln, um flexibel arbeiten zu können. Wichtig ist, das Werkzeug mit ruhiger Hand und gleichmäßigem Druck zu führen, um das Muster nicht zu stören. Anfänger üben oft zuerst einfache Linien, bevor sie komplexere Formen wagen. Ein gut geführter Biz verleiht jedem Ebru-Bild Tiefe, Dynamik und eine persönliche Note.

7. Ebru-Kamm (Tarak)
Der Ebru-Kamm ist ein spezielles Werkzeug mit feinen Metallzinken, das verwendet wird, um symmetrische und rhythmische Muster auf der Wasseroberfläche zu erzeugen. Nachdem die Farben mit Pinseln aufgetragen wurden, wird der Kamm vorsichtig durch die Oberfläche gezogen. Dadurch entstehen Muster wie das berühmte „Taraklı“-Design oder der „Fischgrät“-Effekt. Kämme gibt es in verschiedenen Breiten und Zinkenabständen, je nachdem, wie eng oder weit das Muster sein soll. Ein Kamm mit feinem Abstand erzeugt detailreiche Linien, während größere Abstände für grobe Strukturen sorgen. Der Kamm wird meist aus Holz mit eingesteckten Nadeln gefertigt. Wichtig ist, den Kamm gerade und gleichmäßig zu führen, um harmonische Muster zu schaffen. Besonders in Kombination mit einem Biz lassen sich komplexe, mehrstufige Kompositionen gestalten. Der Ebru-Kamm erweitert die kreative Vielfalt und ist für fortgeschrittene Designs nahezu unverzichtbar.

8. Ebru-Papier
Das richtige Papier ist entscheidend für ein gelungenes Ebru-Ergebnis. Es muss saugfähig genug sein, um die Farbe von der Wasseroberfläche aufzunehmen, darf sich aber nicht wellen oder auflösen. Hochwertiges Ebru-Papier ist in der Regel säurefrei, leicht aufgeraut und hat eine mittlere bis hohe Grammatur (meist 90–120 g/m²). Häufig wird handgeschöpftes Papier verwendet, doch auch maschinell hergestellte Varianten eignen sich, solange sie die Farbe gut aufnehmen. Das Papier wird vorsichtig auf das fertige Muster gelegt und gleichmäßig angedrückt, damit sich das Design sauber überträgt. Nach wenigen Sekunden wird es wieder abgehoben und zum Trocknen gelegt. Fehler wie Blasen oder weiße Stellen entstehen meist, wenn das Papier ungleichmäßig aufgesetzt wurde oder das Wasser nicht richtig vorbereitet war. Daher lohnt es sich, in gutes Ebru-Papier zu investieren, um die feinen Muster dauerhaft festzuhalten.

9. Terpentin (Lösungsmittel)
Terpentin, auch Terpentinöl genannt, wird in der Ebru-Kunst vor allem bei der Farbzubereitung eingesetzt. Es dient als Lösungsmittel, um die Pigmente gleichmäßig zu verteilen und die Farben geschmeidiger zu machen. Besonders bei traditionellen, festen Naturpigmenten hilft Terpentin dabei, diese fein zu lösen und mit dem Bindemittel – z. B. Galle – zu verbinden. Dadurch verbessert sich die Fließfähigkeit der Farben auf der Wasseroberfläche. Terpentin hat einen charakteristischen, intensiven Geruch und sollte nur in gut belüfteten Räumen verwendet werden. In kleinen Mengen eingesetzt, kann es die Farbmischung optimieren, ohne die Struktur zu stören. Manche Künstler verzichten heute auf Terpentin und nutzen moderne, geruchsarme Alternativen. Dennoch bleibt es ein traditionelles Hilfsmittel, das vor allem in der professionellen Ebru-Farbenherstellung seinen festen Platz hat. Sorgfältiger Umgang ist dabei unerlässlich.